Soziale Netzwerke als Risiko für die Gesundheit?

Iphone-Facebook

Ein "Gefällt mir"-Klick bei Facebook, ein kurzer Tweet bei Twitter oder ein Selfie bei Snapchat: Jugendliche können sich ihren Alltag kaum noch ohne soziale Netzwerke vorstellen, vier von fünf Jugendlichen nutzen laut aktueller JIM-Studie das Internet täglich. Fast drei Stunden verbringt man online - Zeit, die durch Facebook, Instagram und Co. dominiert wird.

Doch welche Auswirkungen hat dieses Verhalten auf die Gesundheit der Heranwachsenden? Sind soziale Netzwerke wirklich ein Risiko für die psychische Gesundheit?

Neue Studie: Intensive Nutzung führt zu psychischen Gesundheitsproblemen bei 12- bis 17-Jährigen.

Untersuchungen, welche sich mit der Beziehung zwischen Nutzung von sozialen Netzwerken und gesundheitlichen Problemen beschäftigen, gibt es bisher nur wenige. Doch nun warnt eine neue Studie der Gesundheitsagentur „Ottawa Public Health“ vor zu häufiger Social-Media-Nutzung. Ausgewertet wurden dabei die Daten von 750 Schülern der Klassen sieben bis zwölf (12-17 Jahre), welche Fragen zu ihren Social-Media-Gewohnheiten sowie zur psychischen Gesundheit und Wohlbefinden beantworteten.

Die Ergebnisse der 2014 durchgeführten Untersuchung: Bei einer Nutzung von mehr als zwei Stunden täglich kann es zu schweren psychischen Störungen, Depressionen und suizidalen Gedanken führen. Rund 25 Prozent aller Schüler gab an, sich mindestens zwei Stunden täglich auf sozialen Plattformen aufzuhalten. Besonders Intensivnutzer berichteten über schlechtere psychologische Zustände als wenig Nutzer. Angst, Depression, Selbstmordgedanken und unerfüllte psychische Bedürfnisse wurden während der Untersuchung überproportional benannt. Besonders Jugendliche mit einer labilen Persönlichkeit nutzen soziale Netzwerke, um sich besser zu fühlen.

Facebook-Nutzung aus Angst vor sozialer Isolation

Allerdings wurde die Studie der Ottawa Public Health nicht auf kausale Zusammenhänge überprüft: Eine Verbindung zwischen der ausschließlichen Nutzung von sozialen Netzwerken mit den angegeben Arten von psychischen Störungen wurde somit nicht untersucht.
Vielmehr bestärkt die Untersuchung eine längst schon angenommene Tatsache: Die Mediennutzung von Facebook, Instagram und Co. dient als erheblicher Verstärker für Jugendliche mit psychischen Schwächen, ebenso für den Kreis der Mediennutzer, die sich ohne ihr Social Media Account unvollständig fühlen. Insbesondere Jugendliche mit persönlichen Schwächen entscheiden sich bewusst für soziale Netzwerke, aus Angst nicht allein und isoliert zu sein. Unerfüllte Bedürfnisse sollen in der virtuellen Welt befriedigt werden.

Wohlbefinden steigern oder Gefahren aussetzen?

Bereits im Jahre 2012 untersuchte eine amerikanische Studie psychologische Auswirkungen von sozialen Netzwerken. Forscher der American Academy of Pediatrics beschrieben daraufhin die sogenannte "Facebook-Depression"- demzufolge zeigen Jugendliche, die viel Zeit in sozialen Netzwerken verbringen, Symptome einer Depression. Grunde hierfür liegen vor allem in Attributionsfehlern: Jeder Mensch neigt dazu, den Charakter einer Person aufgrund seines Verhaltens zu erklären. Ein Facebook-Freund veröffentlicht ein Foto vom Urlaub - die menschliche Wahrnehmung interpretiert automatisch: Dieser Mensch muss glücklich sein. Das Leben der Facebook-Freunde wird als glücklicher eingeschätzt. Oft ist es aber ein Trugschluss, da wir uns in sozialen Netzwerken gern vorteilhaft zeigen.

Das die Nutzung von sozialen Netzwerken nicht immer zu depressiven Symptomen führt, fand man mit Hilfe einer Studie der Michigan State University heraus: Das so genannte "Networking" hat eine Wechselwirkung auf den Alltag der Menschen - soziales Einbringen und Engagieren macht sogar glücklich. Insbesondere Jugendliche nutzen Social Media, um den Kontakt zu ihren Freunden zu halten. Nicht soziale Isolation, sondern besonders gute soziale Integration sind die Folge der verstärkten Internetnutzung.

Kritik an Social-Media Studien

Doch was ist dran an Social-Media Studien? Besonders der Unterschied zwischen Wechselseitigkeit und Ursächlichkeit wird hier häufig verwechselt. Verändern sich zwei Beobachtungen auf ähnliche Weise, bedeutet das noch längst keine gleiche Ursache. Führt die intensive Nutzung von sozialen Netzwerken zu Depressionen, kann die Ursache auch eine Internet-Abhängigkeit sein. Sollten die Forscher doch viel mehr im tatsächlichen sozialen Umfeld der Jugendlichen nach Ursachen suchen.
Während vor wenigen Jahren Facebook als das wichtigste soziale Netzwerk galt, werden mittlerweile die Dienste wie WhatsApp, Instagram und Twitter in den Vordergrund gestellt. Der Wunsch nach Bestätigung durch andere Nutzer und die ständige Jagd nach "Likes" sind in allen Portalen vertreten. Diese Verständigung mittels medialer Codes, lassen sich auf die reale Welt nicht anwenden und übertragen.  Sie schaden dem Selbstbewusstsein junger Erwachsener sogar in einigen Fällen.
Bei sozialen Netzwerken ist es somit generell so, dass der Chance zur Steigerung der Lebensqualität entsprechende Risiken gegenüberstehen. Insbesondere durch umsichtiges Verhalten und ein gewisses Maß an Internetkompetenz können Jugendliche diesen Risiken ausweichen. Psychologisch ist es somit sinnvoller, die wahren Ursachen zu suchen, die zu einem selbst schädigenden Umgang mit dem Internet führen.  
Schaut man sich bisherige Social-Media Studien an, so fällt auf, dass es einigen dieser Untersuchungen an Repräsentativität mangelt. Die gewählten Stichproben, sowie das Untersuchungsdesign sind nicht optimal gewählt. Natürlich lässt sich ein Zusammenhang zwischen sozialen Netzwerkportalen und dem Auftreten psychischer Probleme nicht einfach erklären, er ist komplex und es gilt, diese Beziehung weiter zu untersuchen.

 
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