MiniKIM 2012 - Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest legt Studie zur Mediennutzung von Vorschülern vor

Monatsthema Oktober 2013

MiniKIM 2012

Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest legt Studie zur Mediennutzung von Vorschülern vor.

Seit 1999 führt der Medienpädagogische Forschungsverbund Südwest (mpfs) regelmäßig Studien über das Mediennutzungsverhalten von Kindern und Jugendlichen durch. Die im April dieses Jahres veröffentlichte KIM-Studie enthielt erstmals einen Sonderteil "miniKIM". Diese Studie widmet sich dem Mediennutzungsverhalten von Vorschulkindern im Alter von zwei bis fünf Jahren.

Bild: Otto-Wunderland von weiliewei (www.flickr.com)

Bild: Otto-Wunderland von weiliewei (www.flickr.com)

Der Medienpädagogische Forschungsverbund Südwest will mithilfe der Datenerhebungen in erster Linie über die tatsächliche Mediennutzung der "digital natives" aufklären. Positive oder negative Auswirkungen der Mediennutzung auf unsere Lebensqualität werden immer wieder diskutiert und mittels Klischees oder Unkenntnis verklärt. Eine repräsentative Datenerhebung soll jene Felder hervorheben, die zukünftig in den Fokus der Medienbildung rücken müssen.

Die regelmäßig erscheinende KIM-Studie stellte bereits fest, dass bereits Grundschulkinder Vorkenntnisse im Mediennutzungsverhalten mitbringen. Es lag nahe, eine Studie mit Kindern im Vorschulalter durchzuführen, um die erste Schritte in der heutigen mediatisierten Gesellschaft nachzuzeichnen. Vor drei Wochen wurde die umfassende "miniKIM 2012" mit Basisdaten zur Mediennutzung von Kindergartenkindern offenlegt.

Da in dieser Alterskategorie die direkte Befragung der Zielgruppe schwierig ist, wurden 632 Haupterzieher für die anonyme Datenerhebung ausgewählt, vorwiegend Mütter.

Die wichtigsten Ergebnisse der "miniKIM 2012":

Bzgl. der Haushalte, in denen Kleinkinder aufwachsen, kann man von einer Vollversorgung an Mediengeräten sprechen. Nahezu jeder Haushalt verfügt über mindestens ein Fernsehgerät, Radio, Smartphone, Computer/Laptop inkl. Internetzugang, CD-Player, etc. Mindestens jeder zweite Haushalt verfügt über einen DVD-Player, Spielkonsole und Digitalkamera. Diese sind den Kleinkindern zugänglich, aber die wenigsten besitzen selbst Mediengeräte. Allen voran ist der CD-Player eines der ersten "eigenen" Geräte zur Mediennutzung, den jedes vierte Kind im Alter zwischen zwei und fünf Jahren besitzt.

Die häufigste Freizeitbeschäftigung, die von den Haupterziehern angegeben wurde, ist bei den Vorschul- und Kindergartenkindern allerdings nach wie vor das Spielen drinnen und draußen. Das Fernsehen hat das Medium Buch in der Zielgruppe 4 bis 5 Jahre abgelöst. Bei den 2 bis 3jährigen ist die Bindung zum Buch deutlich enger. 62% der Haupterzieher dieser Altersgruppe gaben an, dass ihre Kinder lieber Bücher lesen und dafür auf Fernsehen verzichten. Unter den älteren Vorschulkindern könnten dagegen bereits 54% laut Angaben der Eltern schwerlich auf das Fernsehen verzichten. Der direkte Blick auf die Mediennutzung macht deutlich, dass die meisten Kinder im Beisein der Eltern bzw. im Familienverband Medien nutzen. Außenseiter ist hier das Hörspiel, das zu 41 % allein gehört wird. Eine Konsolennutzung oder Internet ist in dieser Alterskategorie kaum zu finden und wenn dann ebenfalls im Beisein der Haupterzieher.

Fernsehen gewinnt ab dem vierten Lebensjahr eine enorme Bedeutung. Hier ist mit großem Abstand die "Sendung mit der Maus" eines der beliebtesten Formate, das laut Angaben der Eltern  zielgerichtet im Familienverband gesehen wird.

Brisant waren die Ergebnisse eines Assoziationstests, bei dem die Haupterzieher Medien bestimmte Merkmale zuordnen sollten. Das Medium Buch verbinden die meisten mit zukünftigem Schulerfolg und Fantasieförderung. Das Internet sehen dafür 89% der Eltern als gefährlich an, ebenso Filmmedien. Diese könnten eine Affinität zur Gewaltbereitschaft hervorrufen, werden aber auch als wichtiger Kommunikationsinhalt, gesehen, um mitreden zu können.

Bezüglich der eigenen Medienkompetenz sieht sich der Großteil der Haupterzieher (73%) gut bis sehr gut aufgestellt, wenn gleich auch nahezu derselbe Prozentsatz Lehrer und Erzieher in die Pflicht nehmen, Medienerziehung zu betreiben. Auch das Thema Filterprogramme für sicheres Surfen im Netz wird bei den Haupterziehern als wenig relevant empfunden. Hier scheint flächendeckend der bewahrpädagogische Ansatz zu greifen, der nicht so recht zu dem Bild zu passen scheint, das die Haupterzieher von ihrer eigenen Medienkompetenz haben. Denn der Schwerpunkt der modernen Medienerziehung liegt heute vor allem in der aktiven Auseinandersetzung mit Medien.

Die Brücke zum Haupterzieher lässt sich an dieser Stelle wohl am effektivsten über den Lehrer oder Erzieher in Betreuungseinrichtungen schlagen. Immerhin würden 60% der Befragten mit kritischen Fragen an die Pädagogen herantreten. Es wird demnach in Zukunft wichtig sein und bleiben, Erziehern und Lehrern ein Spektrum an medienpädagogischen Aus- und Fortbildungen zu bieten, um Eltern als kompetenter Ansprechpartner zur Verfügung zu stehen.

Der Medienpädagogische Forschungsverbund Südwest ist eine Kooperation der Landesanstalt für Kommunikation Baden-Württemberg (LFK) und der Landeszentrale für Medien und Kommunikation Rheinland-Pfalz (LMK). Die Durchführung der Studie erfolgt in Zusammenarbeit mit dem Südwestrundfunk (SWR)

 
NEWS


Aktuelle Kurzmeldung
06 Juli 2018

Klicksafe-Lehrerhandbuch:

http://www.klicksafe.de/service/schule-und-unterricht/lehrerhandbuch/




Monatsthema Juni
06 Juli 2018

Sieh’s mal einfach! – Erklärvideos in der Medienpädagogik





Linktipp
06 Juli 2018

Best Practise - Heft #2 | Medien + Schule als E-Paper

http://www.saek.de/epaper-SAEK_Best-Practice_2/index.html



Newsbeiträge