Aktuelles Thema: Facebook

Facebook zwischen den Interessen von Nutzern und Werbekunden

von Andreas Golinski

Als der Harvard-Student Mark Zuckerberg 2004 sein inoffizielles Jahrgangsverzeichnis „Facemash“ online stellte, ahnte noch niemand, welchen erfolgreichen Weg dieses „soziale Netzwerk“ einmal einschlagen würde. Auf „Facemash“ konnten Studenten zunächst vor allem die Fotos ihrer Kommilitonen bewerten. Innerhalb kürzester Zeit wurde die Plattform an der Universität unheimlich beliebt. Zuckerberg muss wohl damals schon das Potenzial und die Faszination erkannt haben, die von einem solchen Onlineangebot ausgeht. Zum einen ist das die Möglichkeit, sich relativ anonym über Freunde und Bekannte zu informieren. Auf der anderen Seite können sich Mitglieder – wie dann später bei der Nachfolgeplattform „Facebook“ -  im Internet selbst so darstellen, wie sie selbst gern wahrgenommen werden möchten. Je erfolgreicher das soziale Netzwerk wurde, desto mehr Informationen lieferten die Nutzer. Informationen über sich selbst in ihren Facebook-Profilen und Informationen auch dadurch, wie sie sich auf der Plattform bewegten. Während Marketingunternehmen mühsam Kundeninformationen sammeln müssen, bekam und bekommt Facebook diese Daten quasi umsonst und vollkommen freiwillig von seinen Nutzern.

Weigerte sich Zuckerberg anfangs noch, Facebook über Werbung zu finanzieren, so wurde auch ihm schon bald bewusst, wie wertvoll die Nutzerinformationen sind und wie diese werbetechnisch genutzt werden können. Werbepartner können ihre Anzeigen hier so zielgruppengenau wie nirgendwo anders platzieren. So lässt sich Werbung beispielsweise bei allen männlichen Nutzern platzieren, die deutsch sprechen, in Bayern wohnen, zwischen 18 und 30 Jahren alt sind, sich für Surfen interessieren und viele andere Freunde haben, die diesen Sport auch mögen. All diese Informationen, liefert der Nutzer durch sein Profil, seine Freunde oder auch Mitgliedschaften in Interessengruppen auf Facebook. Nach dem  sehr durchwachsenen Börsengang des Unternehmens steht Facebook unter besonderem Druck der Werbekunden, für die eine detailliertes Zielgruppenprofil ein entscheidendes Kriterium für die Zusammenarbeit mit dem sozialen Netzwerk ist.

Neue Nutzungsbedingungen verbessern vor allem Datenverwertung für Facebook

Verbraucherschützer erkannten schon früh die Gefahren, die so für einen gläsernen Facebooknutzer entstehen können und fordern Nachbesserungen. Damit steht Facebook vor dem Dilemma, zum einen in der Öffentlichkeit nicht als der alles beobachtende „große Bruder“ wahrgenommen zu werden, andererseits aber seine Trumpfkarte der umfangreichen Nutzerinformationen nicht aus der Hand geben zu müssen.  Der Internetriese reagiert darauf immer wieder mit Ausweichmanövern und kündigt beispielsweise regelmäßig Veränderungen an, die die Benutzung erleichtern sollen. Aufmerksame Beobachter realisieren aber schnell, dass diese Veränderungen eher dazu angetan sind, Sicherheitseinstellungen so in den Tiefen der Menüs zu verstecken, dass sie ein Großteil der Nutzer nicht mehr findet.

Auch die kürzlich eingeführten neuen Nutzungsbedingungen sind ein Beispiel dafür. Offiziell wurde dazu von Facebook eine Umfrage unter allen Nutzern durchgeführt, an der nach eigenen Angaben nur 0,04 Prozent der weltweit mehr als 900 Millionen Nutzer teilgenommen haben. Hört man sich in der Facebookgemeinde um, hat so gut wie niemand überhaupt mitbekommen, dass es eine Umfrage zu neuen Nutzungsbedingungen gab. Mit diesen neuen Bedingungen hat Facebook u.a. die Möglichkeit,  Statusmeldungen, Links und Fotos noch umfangreicher für Werbezwecke auszuwerten. So heißt es u.a.: "Wir werden Daten so lange einbehalten, wie dies erforderlich ist, um den Nutzern und anderen Dienstleistungen zur Verfügung zu stellen. Diese umfassendere Verpflichtung gilt für alle Daten, die wir über Dich sammeln und erhalten, einschließlich Informationen von Werbetreibenden."

Wie lange Facebook mit diesen „Tricks“ durchkommmt, hängt wesentlich von den Nutzen selbst ab. Umfragen zeigen, dass viele von ihnen sich der Datensammelwut von Facebook durchaus bewusst sind. Dazu tragen u.a. zahlreiche Weiterbildungsangebote an Schulen und eine umfangreiche Berichterstattung in den Medien bei. Auswirkungen auf das Facebooknutzungsverhalten hat dies aber kaum. Offensichtlich überwiegen für viele die „Annehmlichkeiten“ des sozialen Netzwerkes gegenüber den Sicherheitsrisiken.

 
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