von Andreas Golinski
Diskussionen über das Urheberrecht gibt es nicht erst seit Entstehen des World Wide Web. Doch auf die vielfältigen Möglichkeiten, Inhalte via Internet weltweit und in kürzester Zeit mit Menschen zu teilen, haben sind die teilweise starren Urheberrechtsregelungen einiger Staaten nicht vorbereitet. Waren in der Vergangenheit die Regelungen beispielsweise für das Verwenden von Fotos, Musiktiteln oder Texten recht klar aufgestellt, ergeben sich nun Möglichkeiten, die sich durch bestehende Gesetze nicht eindeutig klären lassen. Hinzu kommt, dass die einzelnen Länder einerseits ganz verschiedene Regelungen zum Urheberschutz haben, andererseits das Internet an Ländergrenzen nicht Halt macht. Und die meisten Nutzer interessiert es natürlich herzlich wenig, wo der Internetserver steht, von dem sie gerade etwas herunter- oder hochladen.
Und so wurde besonders in den vergangenen Monaten der Ruf nach neuen, zeitgemäßeren internatio
nalen Regelungen des Urheberschutzes laut. Auf der Seite der Musikindustrie und der Künstler wünscht man sich eine Verschärfung der Regelungen, um das unkontrollierte, zahllose Kopieren und Weitergeben von geschützten Inhalten einzudämmen. Auf diese Weise sollen Künstler und natürlich die Musikindustrie selbst vor finanziellen Verlusten bewahrt werden. In den USA wurden deshalb die Gesetzesinitiativen PIPA (Protect IP Act) und SOPA (Stop Online Piracy Act) aufgestellt, die u.a. durch Netzsperren den Kampf gegen Raubkopien aufnehmen sollten. In Europa soll ACTA (Anti-Counterfeiting Trade Agreement) sozusagen als europäisches Pendant zu SOPA für klarere Regelungen beim Urheberschutz sorgen.
Mit dem riesigen Aufschrei des Protestes, den PIPA, SOPA und ACTA in der weltweiten Internetgemeinde auslösten, haben deren Initiatoren offensichtlich nicht gerechnet. Auch die Gruppe der Internetnutzer wünscht sich eine Reform und Vereinheitlichung des Urheberschutzes aber eben nicht durch Einschränkung der Nutzungsrechte, sondern durch deren Erweiterung. Und so gingen und gehen weltweit Menschen auf die Straße, um gegen verschärfte Gesetze zu demonstrieren. Auch im Internet findet der Protest, beispielsweise durch die Anonymous-Bewegung, seinen vielfältigen Ausdruck und nimmt mitunter auch groteske Züge an (http://www.youtube.com/watch?v=smHXcd22Z_I). Diese Proteste führten zumindest dazu, dass viele Länder die geplanten neuen Regelungen vorerst verschoben haben.
Was bleibt, ist nach wie vor das Dilemma, keine einheitliche verlässliche Regelung zum Urheberschutz zu haben. Besonders für die kreative Kinder- und Jugendarbeit in medienpädagogischen Einrichtungen stellt das ein Hindernis dar. Einerseits kennen die Lehrkräfte natürlich die gesetzlichen Bestimmungen zum Urheberschutz und sind auch bemüht, diese in der medienpädagogischen Arbeit umzusetzen. Andererseits treffen sie auf Kinder und Jugendliche, bei denen ein Rechtsbewusstsein zum Urheberschutz so gut wie gar nicht entwickelt ist. Hinzu kommt, dass viele kreative Ideen für das Erstellen von medialen Inhalten nicht umgesetzt werden können, weil es das momentane Urheberrecht in Deutschland nicht zulässt.
Eine der derzeit wenigen Alternativen dazu bietet Creative Commons. Bereits seit 2001 veröffentlicht die gemeinnützige Organisation verschiedene Standard-Lizenzverträge, mit denen ein Autor der Öffentlichkeit auf einfache Weise Nutzungsrechte an seinen Werken einräumen kann. Diese Lizenzen sind für beliebige Werke anwendbar, die unter das Urheberrecht fallen. Auf diese Weise entstehen freie Inhalte, die besonders für die Schaffung neuer kreativer Inhalte genutzt werden können (http://www.youtube.com/watch?v=P_QvbRwqDlI)
Wie zukünftig vereinfachte, neue Urheberschutzregelungen aussehen könnten, die alle Seiten zufrieden stellen, ist im Moment noch unklar. Es gibt aber interessante Lösungen, die bereits praktiziert werden. So können sich Künstler beim weltgrößten Videoportal Youtube entscheiden, statt der Löschung illegaler Kopien ihrer Arbeit und deren strafrechtlichen Verfolgung, beim Abspielen des Clips eine Werbung beispielsweise für ihre nächste CD einzublenden.
von Oliver Weidlich
Das Internet und seine weitreichenden Entwicklungen haben unsere Gesellschaft grundlegend verändert. Informationen sind frei zugänglich und eine Partizipation an der Mediengesellschaft ist für alle Bürger möglich geworden. Für Kinder, Jugendliche sowie Berufstätige gehört die Nutzung des Internets selbstverständlich zum Leben dazu. Eine Leben ohne Internet ist für viele nicht mehr denkbar. Doch wie steht es um die Akzeptanz und die Nutzung des Internets und seiner Möglichkeiten durch Senioren? Immerhin sind 20 % der Deutschen Bevölkerung über 64 Jahre alt. Von Oliver Weidlich
Eine der am schnellsten wachsenden Nutzergruppen
Laut ARD/ZDF Onlinestudie 2011 nutzen 34,5 % der über 60-jährigen zumindest gelegentlich das Internet. Vor zehn Jahren lag dieser Wert gerade einmal bei 8,1 %. Genutzt wird das Internet von den sogenannten „Silversurfern“ fast ausschließlich am heimischen PC oder Notebook. Mobile Gerät wie Smartphones oder Tablet Computer spielen so gut wie keine Rolle. Der Internetbranchenverband Bitkom stellte 2011 in einer repräsentativen Untersuchung zur „Netzgesellschaft“ fest, dass die über 64-jährigen das Internet im Durchschnitt maximal zwei Stunden pro Tag nutzen (44 % < 1 h, 45 % 1 - 2 h).
Das Internet als Gewinn für Senioren

Trotz häufig beschworener Gefahren beurteilen Senioren das Internet fast durchweg positiv. 95 % der „Silversurfer“ sehen im Internet einen Gewinn in puncto Information (Bitkom Untersuchung 2010). Vor allem für die Suche nach Informationen und Nachrichten nutztenSenioren das Internet, aber auch die Kommunikation mit (entfernt lebenden) Verwandten und Onlineshopping spielen eine große Rolle. Vor allem das Buchen von Reisen wird von immer mehr Senioren über das Internet getätigt. Mobilitätsbeschränkte Senioren haben aber auch die vielen weiteren Möglichkeiten den Onlineshoppings für sich entdeckt. Gut die Hälfte der im Internet aktiven Senioren gibt an, über das Internet Kontakt zu Freunden zu haben oder sogar alte Freunde wieder gefunden zu haben. Laut Bitkom und Forsa Erhebung von 2010 ist jeder sechste Internetnutzer ab 65 Jahren auch Mitglied eines sozialen Netzwerkes. Dies allerdings nicht ohne gewisse Ängste.
Negative Erfahrungen und Gefahren
Die größten Sorgen haben die älteren Internetnutzer bei Transaktionen für Bankgeschäfte, Buchungen und Einkäufe im Internet. Die Gründe dafür liegen zum einen in mangelnder Aufklärung sowie in der vorwiegend negativen und teilweise für Senioren unverständlichen Berichterstattung in den „klassischen“ Medien. Onlineshopping kommt für viele Senioren ausschließlich dann in Frage, wenn „Zahlung per Rechnung“ als Bezahloption angeboten wird. Kenntnisse von Onlinebezahlverfahren wie zum Beispiel Paypal sind bei den wenigsten Senioren vorhanden. Betrachtet man die tatsächlichen Erfahrungen von Internetnutzern ab 65 Jahren im Bereich der Online-Kriminalität, so sind diese lediglich sehr selten vorhanden. Eine Ausnahme bilden nur Computerviren. Laut Bitkom Untersuchung von 2010 haben 23 % der Internetnutzer ab 65 Jahren bereits Erfahrungen mit Vireninfektionen gemacht.
Anforderungen an Politik und Medienpädagogik
Wenn Nutzung und Partizipation des Internets durch alle Altersgruppen möglich sein soll, so muss die Medienpädagogik sich der besonderen Anforderungen und Voraussetzungen der Nutzergruppe der über 64-jährigen annehmen. Senioren sehen im Internet teilweise einen anderen persönlichen Mehrwert als Jugendliche oder Berufstätige. Zur Schaffung von Netzkompetenz bei Senioren sind andere pädagogische Ansätze notwendig, da für viele nicht nur das Internet ein völlig neues Medium ist, sondern auch der Computer als solches. Pädagogen müssen die Herausforderung meistern, Basiswissen zur Computer- und Internetnutzung zu vermitteln, ohne dabei zu überfordern. Eine klare Fokussierung auf bestimmte Inhalte sowie permanente Praxisnähe ist bei allen Weiterbildungsprojekten in dieser Zielgruppe besonders wichtig. In der medienpädagogischen Praxis zeigt sich immer wieder, dass auch eine Übersetzung vieler Begriffe rund um Computer und Internet für Senioren in Bildungsprozessen elementar ist, da meist Kenntnisse der englischen Sprache fehlen und so Zusammenhänge nicht erkannt werden können. Nach den hier dargelegten Erkenntnissen, muss besonderer Wert auf das Thema Sicherheit gelegt werden. Grundlegende Sicherheitsregeln sowie die Benutzung von Antiviren-Software muss Bestandteil von Seminaren oder Projekten sein.
Um alle Altersgruppen an der Nutzung des Internets und seiner Möglichkeiten zu beteiligen, muss die Politik das entsprechende Umfeld schaffen. Förderprogramme zur Medien- und Internetkompetenzentwicklung der Generation 60+ sind bis jetzt leider die absolute Ausnahme. Dezentrale Anlaufstellen für Fragen rund um Computer und Internet sowie Aufklärungskampagnen und Informationsmaterial speziell für Senioren könnten helfen, bestehende Ängste und Vorurteile abzubauen. Das Internet kann zudem als generationenverbindendes Medium eingesetzt werden, indem Enkel Ihre Erfahrungen mit den Großeltern auch medial teilen.
Vielen Senioren kennen die Potentiale des Internets und stehen diesen offen gegenüber. Damit Sie diese auch problemlos nutzen können, müssen die „Silversurfer“ bei ihrem Weg ins Internet intensiv begleitet und zu einen sicheren Umgang befähigt werden.
von Andreas Golinski
Dass das Internet süchtig machen kann, ist schon längere Zeit bekannt. Verlässliche Zahlen über Internetsucht fehlten aber bisher. Und so fand eine Studie des Bundesgesundheitsministeriums große Beachtung, die im Oktober veröffentlich wurde. Dazu waren von November 2010 bis Februar 2011 über 15.000 Personen im Alter zwischen 14 und 64 Jahren telefonisch zu ihrem Internetnutzungsverhalten befragt worden. Die Studie wurde maßgeblich von der Universität Lübeck durchgeführt.
Studie: Junge Erwachsene besonders stark betroffen
Dem Ergebnis nach sind ca. 250.000 Menschen internetsüchtig, also
hochgerechnet ungefähr 1 Prozent der Bevölkerung. Das entspricht immerhin der Zahl der Marihuana-Abhängigen in Deutschland und der doppelten Anzahl der Glückspielsüchtigen. Bedenklich hoch ist dabei vor allem die Zahl der Jugendlichen. So werden in der Altersgruppe der 14- bis 24-Jährigen 2,4 Prozent als internetabhängig eingestuft und 14 Prozent wird eine problematische Internetnutzung bescheinigt. Ähnlich wie bei Computerspielen bisher auch, waren die männlichen Befragten häufiger betroffen, als die weiblichen. Allerdings, und das ist durchaus eine neue Entwicklung, kehrt sich das Verhältnis in der ganz jungen Nutzergruppe der 14- bis 16-Jährigen um. Hier sind es 4,9 Prozent der Mädchen, die als internetabhängig bezeichnet werden, gegenüber 3,1 Prozent bei den Jungen. Ein Hauptgrund für dieses Ergebnis wird in der sehr häufigen Nutzung der sozialen Netzwerke, wie Facebook oder den VZ-Netzwerken gesehen. Während die Jungen eher Onlinespiele bevorzugen, stehen bei 77 Prozent der Mädchen die Social Networks an erster Stelle. Ein Großteil der Kommunikation läuft bei diesen Jugendlichen über die Netzwerke ab. Sie treffen ihre Freunde dort und tauschen sich über neuste Trends in Musik und Mode aus. Diese Verflechtung von realer und virtueller Welt an sich stellt für Psychologen noch kein Problem dar.
Definitionsfrage: Wann wird aus dem Intensivnutzer ein Süchtiger
Erst wenn das Verhältnis kippt und sich die Betroffenen ausschließlich in der virtuellen Welt bewegen und ihnen diese wichtiger ist als die reale Welt und die realen Freunde, spricht man von problematischem Nutzungsverhalten. Anzeichen dafür sind regelrechte Entzugserscheinungen, wenn einmal kein Internetanschluss zur Verfügung steht. Lustlosigkeit, Gereiztheit und Depressionen sind dann typische Reaktionen. Auch die Zeit, die Jugendliche online verbringen, wird von der Studie als Gradmesser für Internetabhängigkeit angegeben. Alle, die länger als 4 Stunden täglich im Internet unterwegs sind, werden nach der Studie des Bundesgesundheitsministeriums als „problematische“ Internetnutzer definiert. Diese Zeitmarke sollte allerdings durchaus hinterfragt werden.
Internet als Begleiter in allen Lebenslagen
Wichtiger scheint die Frage, was genau die betroffenen Jugendlichen in dieser Zeit im Internet eigentlich tun. Neben der Kommunikation über soziale Netzwerke und Unterhaltung durch Onlinespiele, spielt das Internet mittlerweile eine sehr große Rolle für die Informationsbeschaffung, z. B. für Hausaufgaben. In vielen Fächern wird die Recherche zu bestimmten Themen über das Netz von Seiten der Fachlehrer gefordert. Diese Recherchearbeiten nehmen ebenfalls einen großen Teil der Onlinezeit ein. Außerdem laufen viele Internetanwendungen oft im Hintergrund weiter, während die Jugendlichen andere Arbeiten am PC erledigen. Die 4-Stunden-Grenze ist also ein relativer Wert. Psychologen verweisen bei der Beurteilung von Internetsucht eher auf äußere Signale. Merkmale sind z. B. eine äußere Verwahrlosung und mangelnde Körperhygiene. Auch ziehen sich Betroffene häufig aus dem sozialen Leben zurück. Sie sind vermindert in der Lage soziale Spannungen auszuhalten und auf Konfrontation mit Freunden, Eltern und Lehrern zu reagieren. Im Internet kann diesen Konfrontationen leichter ausgewichen werden. Hinzu kommt, dass sich jeder eine Onlinepersönlichkeit aufbauen kann, die zwar den eigenen Vorstellungen entspricht, die aber mit der Realität oft nicht viel zu tun hat. Je größer diese Diskrepanz zwischen virtueller und realer Welt wird, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit einer Internetabhängigkeit.
Herausforderungen für Politik und Medienpädagogik
Mit dem vermehrten Auftreten von Internetsucht ergeben sich natürlich auch neue Herausforderungen für die Verantwortlichen in Politik und Bildung. Suchtberatungsstellen fordern schon seit Längerem die Anerkennung der Internetabhängigkeit als Krankheitsbild und fordern Politik und Krankenkassen, vermehrt wirksame Therapiemöglichkeiten anzubieten. Denn neben den psychischen Problemen, die Internetabhängigkeit mit sich bringt, leiden Kinder und Jugendliche durch das stundenlange Sitzen am PC auch körperlich, z.B. durch Übergewicht oder Haltungsschäden.
In der Bildungspolitik spielt das Thema Internetsucht erst in letzter Zeit eine verstärkte Rolle. Zwar wir in den Lehrplänen der Schulen vermehrt die Nutzung der neuen Medien verlangt. Der richtige und kritische Umgang mit dem Internet allerdings wird bisher eher selten thematisiert. Vorreiter auf diesem Gebiet sind aber die verschiedenen medienpädagogischen Einrichtungen in Deutschland, die das Problem längst erkannt haben und entsprechende Angebote machen.
So führen auch die Sächsischen Ausbildungs- und Erprobungskanäle (SAEK) regelmäßig medienpädagogische Projekte und Informationsveranstaltungen für SchülerInnen und Eltern durch. Dabei wird einerseits auf die Risiken einer problematischen Internetnutzung hingewiesen, vor allem geht es aber darum, die kreativen Potentiale des Internets selbstbestimmt und kritisch zu nutzen.
Weiterführende Links:
- Volltext der Studie zur Internetsucht
- EU-Initiative zu mehr Sicherheit im Netz: www.klicksafe.de
Medienpädagogik setzt es sich grundlegend zur Aufgabe, Erziehungs- und Bildungsprozesse verantwortungsvoll zu begleiten, sie betrachtet Mediennutzer als aktive Rezipienten und fordert Partizipation. (vgl. Neuß, „Warum Medienpädagogik, abger. am 30.9.11: http://www.gmk-net.de/index.php?id=260) Ziel ist ein mündiger und emanzipierter Medienhandelnder.
Um das zu erreichen muss eine moderne und praxisgerechte medienpädagogische Arbeit, die sich an den Mediennutzern orientiert, auch aktuelle Medienentwicklungen und das damit verbundene Medienerleben und Medienhandeln sinnvoll in die inhaltliche und didaktische Konzeption einbinden sowie vorhandene Verknüpfungen aufgreifen. In diesem Zusammenhang steht im Moment insbesondere das Web 2.0 im Fokus.
Häufig werden in der Öffentlichkeit zuerst die Gefahren von neuen Entwicklungen und Web 2.0-Anwendungen diskutiert. Von Datenschutzfragen bei Facebook und Co. über juristische Unschärfen bis hin zum so genannten „Happy Slapping“. Das Aufgreifen dieser problematischen Aspekte ist zweifellos wichtig. Auf der anderen Seite verstellen sie oft den Blick auf die Chancen, welche diese aktuellen Entwicklungen ebenfalls eröffnen.
Fachtagung zu Praxis-Tools in Dresden
So ergeben sich aus dem Web 2.0 bisher ungeahnte Möglichkeiten für kollaboratives Lernen, Produzieren
und Arbeiten. Diese Potentiale standen auch im Mittelpunkt einer Fachtagung Ende September in der Sächsischen Landeszentrale für politische Bildung in Dresden. Referent war der bekannte Medienpädagoge Jürgen Ertelt, der unter anderem für IJAB im Projekt „ePartizipation – Jugendbeteiligung in der digitalen Gesellschaft“ tätig ist. Ertelt stellte zum Beispiel vor, wie Facebook und Twitter durch aktives „netzwerken“ echten Mehrwert für den einzelnen Nutzer generieren können. Er selbst hat bei Twitter weit über 2.000 Follower. E
benso diskutierte er mit den medienpädagogischen Fachkräften aus Sachsen über Möglichkeiten des Einsatzes von so genannten QR-Codes für die medienpädagogische Praxis. Der QR-Code ist ein zweidimensionaler Strichcode, der innerhalb eines Quadrates durch schwarze und weiße Punkte dargestellt wird. Er erlaubt die Verschlüsselung von Zahlen und Buchstaben. Er kann mit Handykameras eingelesen und decodiert werden, die Software ist frei verfügbar. Einfach ausprobieren: Den Link zur Twitter-Seite von Jürgen Ertelt gibt es hier in Form eines QR-Codes.
Nachfolgend werden drei weitere einfache Werkzeuge vorgestellt, die sich in der medienpädagogischen Praxis bereits bewährt haben.
Kollaboratives Verfassen von Texten: EtherPad
EtherPad ist ein webbasierter Editor, bei dem mehrere Leute gleichzeitig an einem Textdokument arbeiten können. Änderungen werden in Echtzeit bei jedem der Beteiligten auf dem Bildschirm angezeigt (jeder Autor ist mit einer eigenen Textfarbe markiert). Damit ist EtherPad eine tolle Möglichkeit zur kollaborativen Erarbeitung von Texten. Mit Hilfe einer Zeitleiste besteht stets ein Zugriff auf ältere Textversionen und Änderungen können zurückverfolgt werden. Im medienpädagogischen Bereich ist eine Anwendung beispielsweise bei der Erstellung von Sendungsinhalten und Drehbüchern sowie für Ideensammlungen denkbar. iEtherPad ist kostenfrei.
Gemeinsam Themen und Strukturen entwickeln: MindMeister
Ein Online-Tool, das sich zum Brainstorming oder zur Planung von Inhalten und
Veranstaltungen eignet ist MindMeister. Ideen und Strukturen lassen sich einfach visualisieren und weiterentwickeln. Jede Mindmap kann über eine E-Mail oder über einen sicheren Link mit beliebig vielen Leuten geteilt werden. Außerdem gibt es die Möglichkeit, Anmerkungen über einen Live-Chat auszutauschen. Ebenso wie bei EtherPad werden Änderungen in Echtzeit dargestellt und alle älteren Versionen sind in einer Historie verfügbar. Neben einer kostenfreien Basic-Version von MindMeister gibt es auch drei kostenpflichtige Varianten mit unterschiedlichen Monatsbeiträgen.
Foto- und Audiomaterial online bearbeiten
Aber nicht nur Texte lassen sich Online gemeinsam gestalten. Die Plattform Picnik zum Beispiel erlaubt das Bearbeiten von Fotos mit einer Vielzahl von Möglichkeiten. Eine detaillierte Nachbearbeitung von Farben und Kontrasten ist in der kostenlosen Basisversion ebenso gegeben wie eine riesige Auswahl an Effekten. Ein Tool zur Erzielung einer ganz besonderen Wirkung bei Fotos ist TiltShift. Durch spezielle Filter erhalten die Bilder einen Miniatureffekt, der ein wenig an die Modelleisenbahn erinnert, aber durchaus Charme hat. TiltShift ist auch für Videos einsetzbar. Und auch für die Bearbeitung von Audiomaterial gibt es bereits eine Online-Lösung. Der Aviary Audio Editor eignet sich zum Schneiden und Zusammenstellen von Soundaufnahmen. Die wesentlichen Grundfunktionen eines konventionellen Audioschnittprogramms sind vorhanden. Auch die Zusammenstellung von Beiträgen oder kleinen Hörspielen im Mehrspurmodus ist möglich.
Diese drei Anwendungen geben einen kleinen Einblick in die Potentiale des Web 2.0 für die medienpädagogische Praxis und stehen exemplarisch für die vielen neuen Möglichkeiten zum kollaborativen Arbeiten, die sich mit dem Internet entwickeln.
Fast alles spielt sich dabei in der „Cloud“ ab. Anwendungen belasten also nicht die Rechenkapazität des eigenen Computers, sondern laufen komplett Online. Eine gute Internetverbindung vorausgesetzt ist der Zugriff auf Daten und Services von jedem mobilen Endgerät jederzeit gewährleistet. Und wir sind längst nicht am Ende der Entwicklung. Mit stetig wachsenden Bandbreiten und immer neuen Möglichkeiten von Social Software können wir uns noch auf viele revolutionäre Ideen freuen.
Linktipps
Kollaboratives Verfassen von Texten: http://openetherpad.org/
Jürgen Ertelt bei Twitter: http://twitter.com/ertelt
Jürgen Ertelt bei Facebook: http://de-de.facebook.com/ertelt
Mindmaps gemeinsam erstellen: www.mindmeister.com
Weitere Informationen zu QR-Codes: http://www.qrcode-generator.de/
Sächsische Landeszentrale für Politische Bildung: www.slpb.de
Weitere Praxisideen für Medienpädagogik: www.medienpaedagogik-praxis.de
Bilder Online bearbeiten: www.picnik.com
Miniatureffekte für Fotos erzielen: http://tiltshiftmaker.com/
Audiomaterial Online bearbeiten: http://www.aviary.com/online/audio-editor
Web 2.0 stellt Medienpädagogik vor neue Herausforderungen
Die Zahl der Internetnutzer in Deutschland ist hoch wie nie. Fast drei Viertel der Bundesbürger sind online – das sind 2,7 Millionen Menschen mehr als noch vor einem Jahr. So lautet zumindest das Ergebnis der ARD/ZDF-Onlinestudie von 2011.
Damit hat sich das Internet in den vergangenen Jahren zum universellen Kommunikations-, Informations- und Unterhaltungsmedium entwickelt, das sowohl Texte als auch bewegte Bilder und Töne integriert. Die Prognose, dass das Internet die klassischen Medien schon bald ablösen würde, hat sich jedoch nicht bewahrheitet. Statt sich zu substituieren, ergänzen sich die alten und neuen Medien.
Die Nutzungsdauer des Internets hat sich in den vergangenen sechs Jahren fast verdoppelt und liegt aktuell bei 80 Minuten. Über die Gesamtbevölkerung betrachtet ist es damit noch immer weit abgeschlagen hinter den klassischen elektronischen Medien. Durchschnittlich 229 Minuten pro Tag haben Männer und Frauen im ersten Halbjahr vor dem Fernseher verbracht, die tägliche Radionutzung betrug 2011 laut ARD/ZDF-Onlinestudie knapp unter 200 Minuten.
Mediennutzung von Jugendlichen: sozial, interaktiv, mobil
Besonders in der Altersgruppe der 14- bis 29-Jährigen hat sich die Mediennutzung in den vergangenen Jahren aber signifikant gewandelt. 2011 ist bei den Jugendlichen und jungen Erwachsenen erstmals das Internet das meist genutzte Medium mit einer täglichen Nutzungsdauer von 147 Minuten, dicht gefolgt vom Fernsehen (146) und Radio (145).
Im Internet verbringt diese Altersgruppe fast die Hälfte der Zeit mit "Kommunikation" in den verschiedensten Formen, gefolgt von Spielen, Informationssuche und Unterhaltung. Insbesondere soziale Online-Netzwerke wie SchülerVZ oder Facebook bringen dabei neue Handlungsräume hervor, die für jugendliche Nutzer von zentraler Bedeutung und für ihr soziales Leben unentbehrlich geworden sind.
Ein weiterer Trend liegt in der zunehmenden Mobilität der Mediennutzung. Fast jeder Jugendliche besitzt ein eigenes Handy, die Ausstattung verbessert sich kontinuierlich. Multifunktionale Handys (sog. Smartphones) ermöglichen Mediennutzung zu jeder Zeit an jedem Ort, ebenso wie Kamerafunktion, Spiele und vieles mehr.
Medienpädagogik 2.0
Zentrale Aufgabe der Medienpädagogik ist die Vermittlung von Medienkompetenz. Ziel ist ein kritischer, selbstbestimmter und auch aktiv-kreativer Umgang mit Medien. Das Web 2.0 hat dabei völlig neue Handlungsfelder für die medienpädagogische Arbeit hervorgebracht.
So spielt zum Beispiel der Umgang mit persönlichen Daten eine wichtige Rolle. Studien zeigen, dass Jugendliche Soziale Online Netzwerke als geschützte Kommunikationsräume empfinden und deshalb oftmals sehr sorglos mit persönlichen Informationen umgehen. An dieser Stelle ist die Medienpädagogik gefordert.
Die Tatsache, dass aktiv-produzierende Nutzungsformen des Internets deutlich seltener vorkommen als passiv-rezipierende bietet einen weiteren wichtigen Ansatzpunkt und eine große Chance für die medienpädagogische Arbeit.
Denn die Partizipationspotentiale des Mediums Internet werden bisher kaum genutzt. Gerade einmal drei Prozent der User sind zum Beispiel auf Plattformen wie YouTube oder Wikipedia in der Form aktiv, dass sie Artikel oder Videos einstellen. Auch in Sozialen Online-Netzwerken wie Facebook beschränkt sich die aktive Teilhabe oftmals auf die Selbstdarstellung im eigenen Profil.
Dabei sind die praktischen Möglichkeiten zur kreativen Arbeit im Web geradezu grenzenlos: Vom Handyfilm über GeoCaching-Projekte, bis hin zur Erstellung von Podcasts, Machinima oder eigenen Online-Spielen. Diese Formen werden in Zukunft aber eine immer größere Rolle Spielen. Denn mit der Mediennutzung müssen sich auch die Inhalte der medienpädagogischen Arbeit ändern.
Weitere Informationen und Links:
- ARD/ZDF Online-Studie 2011
- KIM- und JIM- Studien des Medienpädagogischen Forschungsverbundes Südwest
- ARD/ZDF Langzeitstudie Massenkommunikation
Wie viele Hörer haben die deutschen Radiosender? Diese Frage wird zweimal im Jahr beantwortet, wenn die Ergebnisse der Media Analyse Hörfunk veröffentlicht werden. Die Hörerbefragungen stehen in der Kritik, ihre Ergebnisse werden jedoch als Branchenwährung akzeptiert. Von Thomas Schindler
An zwei Tagen im Jahr herrscht Anspannung in den Chefetagen der deutschen Radiosender: Es sind die Berichterstattungstermine der Media Analyse (MA) im März und Juli. Die gelieferten Zahlen gelten als „Quittung“ für die Programmgestaltung in den beiden vorangegangenen Befragungswellen. Vor allem bilden sie jedoch die Grundlage für die Werbepreise, die jeder Sender verlangen kann. Daher sind die MA-Ergebnisse insbesondere für die Privatsender von großer wirtschaftlicher Bedeutung.
Ermittelt werden die MA-Zahlen in zwei großen Befragungswellen pro Jahr, die jeweils von Januar bis April und September bis Dezember laufen. Telefonisch werden aktuell Deutsche und deutschsprachige Ausländer ab 10 Jahren zu ihrem jeweils gestrigen Tagesablauf und ihrer gestrigen Radionutzung zwischen 5 und 24 Uhr befragt. In Viertelstundenschritten protokollieren die Interviewer das Nutzungsverhalten und markante Tätigkeiten im Tagesablauf. Für die aktuell gültigen MA-Zahlen wurden im Herbst 2010 und Frühjahr 2011 insgesamt rund 64.300 Einzelinterviews durchgeführt. Wichtigster Kennwert für Sender mit Werbung sind die Hörer pro Durchschnittsstunde Mo-Fr, bei werbefreien Sendern kommt es auf die Tagesreichweiten Mo-Fr (ehemals Hörer gestern) an.
Viel Bewegung im Radiomarkt: Branchenprimus stürzt ab, in Sachsen triumphiert Hitradio RTL
Am 12. Juli sind die aktuellen Zahlen der MA 2011 Radio II erschienen und sie hatten wieder einige Überraschungen parat: Der private Branchenprimus Antenne Bayern musste kräftig Federn lassen, bleibt aber erfolgreichster Privatsender mit 899.000 Hörern pro Durchschnittsstunde. Erfolgreichster öffentlich-rechtlicher Sender Deutschlands ist trotz leichter Verluste nach wie vor Bayern 1 mit 1,14 Millionen Hörern pro Stunde. In Sachsen knallten die Sektkorken bei Hitradio RTL in Dresden. Der landesweite Sender konnte einen fast schon sensationellen Zuwachs von 53.000 Hörern pro Durchschnittsstunde verzeichnen, was einem Plus von 35,6 Prozent entspricht, und durchbricht damit die Marke von 200.000 Hörern. Auch die Konkurrenz aus Leipzig konnte dazugewinnen: Radio PSR steht nach einem Plus von knapp 5 Prozent (12.000 Hörer) nun bei 258.000 Hörern pro Durchschnittsstunde, der Schwestersender R.SA kommt auf starke 170.000 Hörer (+13,3 Prozent bzw. 20.000 Hörer). Radio PSR bleibt damit privater Primus in Sachsen, die Gesamtmarktführung liegt weiterhin beim Oldie- und Schlagerformat MDR 1 Radio Sachsen, das mit erneutem Zuwachs von 33.000 Hörern bzw. 8 Prozent nun ganze 448.000 Hörer pro Durchschnittsstunde ausweisen kann und die Konkurrenz damit weit hinter sich lässt. Abgestraft wurde dagegen ENERGY Sachsen: Der Jugendsender verlor knapp ein Drittel seiner Hörerschaft und steht aktuell bei 51.000 Hörern. Bei den in ganz Mitteldeutschland sendenden MDR-Wellen fällt die Bilanz gemischt aus: JUMP zeigt sich stabil mit leichten Zuwächsen, MDR Info gewinnt ebenfalls leicht, MDR Figaro dagegen verliert fast jeden fünften Hörer.
Nur die Erinnerung zählt: Wie aussagekräftig sind die Zahlen?
Radiobranche und Werbewirtschaft akzeptieren die ausgewiesenen Reichweiten als einheitliche Währung. Es ist allerdings kein Geheimnis, dass die Aussagekraft der MA-Zahlen insbesondere von Medienwissenschaftlern, Journalisten und Marktforschern auch immer wieder angezweifelt und die Art und Weise der Erhebung kritisiert wird. Die Methode der Day-After-Recall-Befragung, die hier angewandt wird, hat in der Tat einen entscheidenden Nachteil: Sie basiert einseitig auf der Erinnerungsleistung der Befragten. Wie verlässlich aber kann diese Erinnerung sein, wenn in Viertelstundenschritten der Radiokonsum für den gesamten gestrigen Tag abgefragt wird? Radiohören ist meist keine bewusste und zielgerichtete Tätigkeit, Umschaltvorgänge erfolgen oft unreflektiert oder sogar unbewusst, mit Sendernamen beschäftigt sich der Durchschnittshörer kaum. Zudem können Sender das Befragungsverhalten gezielt beeinflussen durch Gewinnaktionen im Befragungszeitraum, permanente Nennung des Sendernamen im Programm oder umfangreiche Plakatierung. Am Ende, so könnte man spitz formulieren, geht es nicht darum, welcher Sender tatsächlich gehört wurde, sondern welcher Sendername am besten in der Erinnerung der Befragten abgespeichert ist. Nur eine von vielen Verzerrungen, die sich aus Besonderheiten der Recallbefragung ergeben, ist nachgewiesenermaßen, dass große und bekannte Sender stets bessere Karten haben als kleinere, wenig bekannte Sender. Weitgehend unstrittig ist auch, dass der Radiokonsum in der Erinnerung häufig genau dann unter den Tisch fällt, wenn er nicht genau mit der Erinnerung an Tätigkeiten im Tagesablauf verknüpft ist, was häufig der Fall ist. Es bleiben also erhebliche Zweifel an der Genauigkeit der Zahlen.
Alternativen: Wie könnte die MA der Zukunft aussehen?
Die Erhebung der Hörerzahlen wird oft kritisiert, selten jedoch denken die vehementen Kritiker über mögliche Alternativen zur Recallbefragung nach. Ohne Reichweiten geht es nun mal nicht. Eine Möglichkeit wären Tagebuch-Erhebungen. Hier füllen die Probanden eigenständig ein vorgefertigtes Tagebuch aus, in dem sie ihren Radiokonsum in Tabellen protokollieren. Damit wird der Faktor Erinnerung ausgeschaltet – aber nur, wenn die Tagebücher auch wirklich zeitnah ausgefüllt werden. Das wiederum lässt sich nicht ausreichend kontrollieren, ein zentraler Schwachpunkt. Tagebücher kommen in vielen europäischen Ländern, unter anderem in Großbritannien, zum Einsatz, haben sich in Deutschland aber nicht durchgesetzt. Eine zweite theoretisch denkbare Methode wäre der sogenannte Coincidental Check. Dabei werden die Testpersonen angerufen und gefragt, was sie just in diesem Moment hören. Auch hier wird der Unsicherheitsfaktor Erinnerung erfolgreich ausgeschaltet. Das Knock-Out-Argument gegen diese Methode ist allerdings, dass sie sich zur Prime Time des Radios in den Morgenstunden nicht durchführen lässt. Wer gibt schon morgens halb 7 am Telefon bereitwillig Auskunft, welchen Radiosender er gerade hört? Als zukunftsweisend galten lange Zeit sogenannte Radiometersysteme, beispielsweise die „Radiouhr“ aus der Schweiz. Hier wird statt auf Befragung auf Messung gesetzt – ein Paradigmenwechsel. Die Testpersonen führen ein Gerät mit sich (zum Beispiel als Software in einer Uhr, im Handy oder als Pager), das in regelmäßigen Abständen die Umweltgeräusche kurz aufzeichnet. Die Kurzmitschnitte werden unter Beachtung des Datenschutzes in komprimierte digitale Samples zerlegt. Später werden sie mit Mitschnitten der empfangbaren Sender abgeglichen oder es werden spezielle Erkennungssignale herausgefiltert, die jeder Sender individuell ausstrahlt mittels entsprechender Technik. Was sich nach genauer Messung des Radiokonsums anhört, hat in der Praxis allerdings auch seine Schwächen: Handeln die Testpersonen unter Beobachtung genau so wie sie es ohne Beobachtung tun würden? Und heißt das Audiosignal im Umfeld der Testperson, dass die Person den Sender wirklich gehört hat? Für Radiosender wären plötzlich zum Beispiel Verträge zur Beschallung von Supermärkten lukrativ, weil jeder, der seinen Einkaufswagen durch den Markt schiebt, plötzlich ein Hörer wäre. Ist diese Definition von Radiohören letztlich besser als die Erinnerung an einen Sender?
Innerhalb der Arbeitsgemeinschaft Media Analyse herrscht breiter Konsens darüber, dass die Recallbefragung unter dem Strich wohl die beste Option ist. So werden uns die klassischen MA-Befragungen in der Reichweitenforschung wohl noch lange erhalten bleiben. Im September geht’s wieder los …
Mehr als nur ein Lückenfüller: Lizenzverträge bieten Chancen für Künstler und bereichern medienpädagogische Projekte
Es war einmal alles ganz einfach geregelt: Hat ein Künstler ein Musikstück produziert, übertrug er die Rechte an einen Musikverlag. Daraufhin wurde das Lied im Radio gespielt und rief damit Verwerter wie die GEMA auf den Plan, die für eine gerechte Entlohnung des Künstlers gesorgt haben. Es gab also eine Ära, während der das Urheberrecht ganz gut funktioniert hat – bis das digitale Zeitalter angebrochen ist. Auf einmal konnte jeder Internetnutzer fremde Werke beliebig vervielfältigen und verbreiten, was bis dato nur mit einem sehr hohen technischen Aufwand möglich gewesen ist. Die Grenzen des Urheberrechtes waren erreicht. Die Folge: Es bedurfte einer neuen Lösung, die zwar auf dem Urheberrecht basiert, gleichzeitig aber an das digitale Zeitalter angepasst war. Eine Lösung, die den Namen „Creative Commons“ trägt. Seit etwa zehn Jahren bietet eine Non-Profit-Organisation aus den USA vorgefertigte Lizenzverträge an, mit denen die Veröffentlichung und Verbreitung digitaler Medieninhalte geregelt werden. Seit 2004 existieren diese auch für Deutschland. Übersetzt bedeutet „Creative Commons“ schöpferisches Allgemeingut. Angefangen als akademisches Nischenprodukt gibt es mittlerweile sechs verschiedene Standard-Lizenzverträge, die die Rechte der Nutzer klar definieren:
Aufhebung der auf Urheberrecht basierenden Einschränkungen
Ein weiterer Ausgangspunkt der „Creative Commons“ war, dass mit dem Siegeszug des Internets jeder seine Werke der Allgemeinhei
t zugänglich machen konnte. Künstler, die ihre Werke anderen Menschen zur Verfügung stellen wollten, waren jedoch durch das Urheberrechtsgesetz stark eingeschränkt: Entweder waren bei der Verwertung alle oder keine Rechte vorbehalten. Die „Creative Commons“ sind hierbei also eine Art Mittelweg – der Urheber entscheidet mit Hilfe der Lizenzverträge, auf welche Art und Weise seine Werke genutzt werden dürfen. Musiklabel und Plattformen wie Flickr, Pixelio, Wikipedia und YouTube zeigen, dass sich Lizenzverträge dieser Art mittlerweile großer Beliebtheit erfreuen. So hat Letzteres erst im Juni seine Lizenzoptionen erweitert und ermöglicht den Nutzern neben der “Standard YouTube License" auch eine „Creative Commons“-Lizenz. Denn sind nicht alle Werke auch kommerziell interessant und somit für den Künstler dennoch eine Möglichkeit, sie zu veröffentlichen und bekannt zu machen. Allerdings darf er sich nur der „Creative Commons“ bedienen, wenn ihm alle Rechte an seinem Produkt gehören. Stammt zum Beispiel die Musik seines Videos nicht von ihm, findet keiner dieser sechs Lizenzverträge seine Anwendung.
Einsatz in medienpädagogischen Workshops
Jede Menge Vorteile bieten die „Creative Commons“ bei medienpädagogischen Projekten. So lassen sie sich beispielsweise mit Musikstücken vertonen, deren Nutzung anhand eines „Creative Commons“-Lizenzvertrages geregelt ist. „Diese Vereinbarungen kommen bei uns überall dann zum Einsatz, wenn die Projektpartner ihre Werke außerhalb des SAEK veröffentlichen wollen“, fasst Marsel Krause, Studioleiter des SAEK Zwickau zusammen. Und davon gebe es einige. Ein Beispiel dafür ist das Projekt AUDIRE. Das ist ein akustisches Amtsblatt des Landkreises Zwickau. Um es zu publizieren, brauchen die Teilnehmer die jeweiligen Nutzungsrechte der Musik. „Die 'Creative
Commons' sind dafür eine Möglichkeit, rechtlich auf der sicheren Seite zu sein.“ Aber auch Filmund Bildmaterial können aufgrund der Lizenzverträge eine Bereicherung verschiedener Seminare sein. So stellt beispielsweise die Blender Foundation mit „Sintel“ einen 15-minütigen computeranimierten Fantasyfilm zur Verfügung, der komplett mit freier Software produziert worden ist. Es trägt eine „Creative Commons“-Lizenz und kann somit in verschiedenen Projekten frei eingesetzt werden. Darüber hinaus wurden ebenso alle Zwischenprodukte wie die Musik, das Videomaterial sowie die Bilder zum Bearbeiten freigegeben. Eine Bereicherung für Workshops zum
Thema Schnitt, Video oder Bildbearbeitung.
Weitere Informationen und Linktipps zum Thema:
Neben grenzenlosen kreativen Möglichkeiten stecken im Web 2.0 auch zahlreiche rechtliche Fallstricke – ein medienpädagogischer Blick auf das Medienrecht im Web 2.0
Ein Fall, wie er nicht selten in Deutschland vorkommt: Jugendliche drehen ein Video über ihre Skateboardkünste, unterlegen es mit dem Titel einer bekannten englischen Band. Sie bieten es auf ihrer eigenen Homepage zum Download an und veröffentlichen es auf diversen Videoplattformen. Wenig später erhalten die Eltern eines der Beteiligten Post von einem Anwalt. Dieser vertritt die Urheber des verwendeten Musikstückes und hat die Kontaktdaten der Familie vom Internetprovider erhalten. Jeder Provider in Deutschland ist verpflichtet, bei einer Rechtsverletzung die Daten des Internetinhabers herauszugeben. Als Anschlussinhaber sollen die Eltern einen vierstelligen Betrag für die Rechtsverletzung bezahlen. Solche und ähnliche Fälle werden in den Medien immer wieder aufgegriffen und verunsichern Internetnutzer.
Die Fragestellungen, die sich für Jugendliche, Eltern, Lehrer und Medienpädagogen aus den Möglichkeiten des Web 2.0 ergeben, sind zweifellos so mannigfaltig wie komplex: Welche Bilder darf ich kopieren und auf meine eigene Seite stellen? Ist es erlaubt, fremde Musik für eigene Filme zu verwenden? Darf ich Fotos der letzten Party auf meine Facebook-Seite hochladen? Sind Filme aus dem Internet für Unterrichtszwecke freigegeben? Wann muss ich GEMA-Gebühren zahlen?
Teilhabe und Verantwortung
Wie in fast allen Bereichen unseres täglichen Lebens gelten auch im Internet rechtliche Bestimmungen. So klar und eindeutig wie in der Straßenverkehrsordnung oder beim Eigentumsrecht ist es in der virtuellen Welt aber leider nicht immer. Daraus die Konsequenz zu ziehen, völlig auf eine aktive Partizipation im Web zu verzichten, wäre aus medienpädagogischer Sicht der gänzlich falsche Schluss. Vielmehr gilt es zu sensibilisieren und Leitplanken zu definieren, an denen man sich orientieren kann.
Lange Zeit wurde das World Wide Web wie ein rechtsfreier Raum behandelt. Mittlerweile sind allerdings viele Gesetze auch auf das Internet ausgeweitet worden. Dieses Internetrecht ist wie das Web selbst sehr dynamisch. Ein Problem besteht auch darin, dass nicht alle Länder dieselben Rechtsauffassungen haben, den Rechtsbereich anderer Staaten aber beeinflussen, da das Internet nun einmal an Ländergrenzen nicht haltmacht.
Trotz dieser teilweise recht schwammigen Rechtslage im Internet haben sich doch einige Punkte herauskristallisiert, die zwingend beachtet werden sollten, wenn man im Netz unterwegs ist. Das trifft besonders auf Kinder und Jugendliche zu, da hier das Unrechtsbewusstsein oft noch nicht so ausgeprägt ist.
Urheberrecht
Zum einen betrifft dies das Urheberrecht. Weit verbreitet ist die Meinung: “Wenn ein bestimmter Inhalt (Bild, Musiktitel etc.) auf einer Seite eingestellt wird, dann kann es auch jeder kopieren und verwenden.” Aber das ist selbstverständlich falsch. Jeder Fotograf oder Künstler besitzt die Rechte an seinen Kunstwerkn und entscheidet, wofür diese verwendet werden dürfen, egal, ob er oder sie diese nun auf einer Homepage oder in einem Buch veröffentlicht haben. Wenn Sie also eine Abbildung einer anderen Seite verwenden möchten, müssen Sie sich für ihren speziellen Verwendungszweck vom Künstler oder Fotografen eine Genehmigung einholen. Verwehrt er oder sie Ihnen diese, dann dürfen Sie die Abbildung nicht verwenden. Das trifft ebenso auf das Herunterladen von Filmen und Musiktiteln zu.
Sehr beliebt sind Videoportale wie Youtube. Inhalte, die dort eingestellt wurden, sind oft unerlaubte Kopien, die das Urheberrecht verletzen. Solange ich mir als Nutzer dieser Portale diese Inhalte nur als Stream anschaue, mache ich mich noch nicht strafbar. Problematisch wird es allerdings, wenn ich mir diese Inhalte als Kopie auf meinen PC lade. Zahlreiche Anbieter im Netz bieten diese technische Möglichkeit. Hier wird aber eindeutig das Urheberrecht verletzt.
Eine Alternative ist oftmals die speziell für das Internet entwickelte Lizenzform der Creative Commons. Urheber von Medien wie Videos, Musik oder Texten können damit leicht bestimmen, was bei der Weitergabe bzw. Wiederveröffentlichung ihrer Werke beachtet werden muss, zum Beispiel die Namensnennung oder der Ausschluss einer kommerziellen Nutzung.
Recht am eigenen Bild
Im Bezug auf Abbildungen von Personen kommt noch das Recht am eigenen Bild hinzu. Ein Mensch darf ohne seine Einwilligung nicht so fotografiert oder abgebildet werden, dass er oder sie eindeutig auf dem Bild zu erkennen ist. Ausnahmen sind Abbildungen, auf denen Personen als sogenanntes “Beiwerk” im Bild dienen – etwa auf einem Foto von einem großen Haus, auf dem Menschen nur ganz klein in der Ferne zu sehen sind. Besonders eingeschränkt sind die Bestimmungen über die Ablichtung von Minderjährigen. Im Alter bis 12 Jahre ist es grundsätzlich erforderlich, dass die Eltern ihre Zustimmung geben. Besonders auf dem Gebiet der sozialen Netzwerke ist das sehr brisant, da hier gerade Kinder und Jugendliche schnell Bilder von sich und Freunden ins Netz stellen, ohne die Genehmigung dieser Freunde oder - geschweige denn - die derer Eltern eingeholt zu haben. Wichtig ist es hier, bei Kindern und Jugendlichen ein Rechtsbewusstsein zu entwickeln.
Von 12 bis 18 Jahren gestaltet sich die Situation etwas einfacher, aber auch schwammiger. Hier kommt es darauf an, ob der oder die Jugendliche als freiverantwortlich eingeschätzt wird und selbst über eigene Abbildungen entscheiden kann.
Mit der Beachtung der Grundsätze des Urheberrechtes und des Rechtes am eigenen Bild sind ganz wesentliche Voraussetzungen für eine sichere Partizipation im Web 2.0 erfüllt. Die Entwicklung in diesem Bereich wird dynamisch bleiben und mit einer kontinuierlichen Weiterentwicklung der technischen Möglichkeiten werden auch immer neue Rechtsfragen auftauchen.
Beratung und Unterstützung in diesem Bereich gibt es für Lehrer, Eltern und Schüler unter anderem bei den Sächsischen Ausbildungs- und Erprobungskanälen.
Dieser Artikel hat nicht den Charakter einer Rechtsberatung. Für weiterführende Informationen empfehlen wir folgende Links:
Mitteldeutsche Medienmacher diskutieren das Spannungsfeld zwischen Kostendruck und hochwertigen Inhalten in Leipzig – Ergebnisse auf www.mtm-blog.de
Die Debatte um den Qualitätsjournalismus ist nicht neu und wird bereits seit vielen Jahren geführt. Spätestens seit der Geburtsstunde des Privatfernsehens in Deutschland wird darüber gestritten, was „gute“ journalistische Inhalte ausmacht. Aktuell sind es Formate wie das so genannte „Scripted Reality“, in denen fiktive Schicksale in das Gewand einer vermeintlich echten Dokumentation gepackt werden, mit denen RTL und Co. viel Kritik ernten. Aus Sicht vieler Privatrundfunkmacher definiert sich Qualität vor allem über Quote. So stellte der langjährige RTL-Chef Helmut Thoma regelmäßig die Frage, wer denn eigentlich festlege, was Qualität ist.
Dass hingegen die Quote nicht alles sein kann, darauf legen Politiker und Medienwissenschaftler oftmals großen Wert, so zum Beispiel Prof. Dr. Michael Haller, der viele Jahre die Journalistik-Ausbildung an der Universität Leipzig geleitetet hat (mehr dazu im MTM-Blog). In der jüngeren Vergangenheit ist es das Internet, insbesondere das Web 2.0, das die Qualitätsdebatte anheizt. Nicht nur Zeitungsmacher warnen vor dem Niedergang des Qualitätsjournalismus.
Unbestritten ist, dass die Medienwelt in einem grundlegenden Wandel begriffen ist. Im Zeitalter von Web 2.0 sind Journalisten längst nicht mehr die alleinigen Anbieter von Informationen. Mit Laptop, Smartphone und Co. kann praktisch jeder zum Sender werden. Unter diesen Voraussetzungen stellt sich natürlich die Frage, wie Qualität definiert ist und auch was sie kosten soll oder muss. Die Fähigkeit, Quellen kritisch zu bewerten, wird ohne Zweifel immer wichtiger. Medienkompetenz ist gefragt.
Unter dem Motto „Preis schlägt Gratis – Die Renaissance der Vernunft“ stellte auch der
Medientreffpunkt Mitteldeutschland in diesem Jahr die Qualitätsfrage in den Mittelpunkt. Vertreter aus Medien, Wirtschaft, Politik und Wissenschaft trafen sich dafür vom 2. Bis zum 4. Mai 2011 in Leipzig. Der Medientreffpunkt Mitteldeutschland wird veranstaltet
von den Landesmedienanstalten der drei mitteldeutschen Länder Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen gemeinsam mit Unternehmen der Medienbranche, dem Mitteldeutschen Rundfunk, der Stadt Leipzig, dem Freistaat Thüringen und dem Freistaat Sachsen. Ein Team von jungen Medienmachern der SAEK-Projekte von W + M 2000 hat sich den Medientreffpunkt Mitteldeutschland 2011 zum Anlass genommen, um mit Experten und Entscheidern über Qualität in Medien und Medienausbildung aber auch über aktuelle Medienentwicklungen ins Gespräch zu kommen. Entstanden sind zahlreiche Videos, Beiträge, Statements, Kurzmeldungen und vieles Mehr. Antworten zum Monatsthema Mai „Qualität in Medien und Medienausbildung“ gibt es auf der Plattform www.mtm-blog.de unter anderem von:
• Stanislaw Tillich (Ministerpräsident Freistaat Sachsen)
• Prof. Dr. Roland Wöller (Kultusminister Freistaat Sachsen)
• René Falkner (Geschäftsführer SACHSEN Fernsehen)
• Erwin Linnenbach (Regiocast)
• Dr. Uwe Grüning (Präsident des Medienrates der SLM)
• Prof. Dr. Michael Haller (IPJ Leipzig)
• Prof. Bernd Schorb (Universität Leipzig)
• Tino Utassy (SLP)
• Dr. Maximilian Schenk (VZ-Netzwerke)
• Michael Sagurna (Mitglied des Medienrates der SLM)
• Dr. Tobias Schmid (RTL)
Hier geht’s zum kompletten MTM-Blog.
Was Hänschen nicht lernt ...!? Chancen und Grenzen der medienpädagogischen Arbeit im Vorschulbereich.
Da Medien schon aus dem Alltag der Jüngsten in unserer Gesellschaft nicht mehr wegzudenken sind, muss Medienerziehung mit geeigneten Konzepten bereits in der Kita beginnen. So lautete das Fazit von Vertretern aus Forschung, Praxis und Politik Anfang April in Leipzig. Anlass war ein Fachpodium zum Thema „Vorschulische Medienerziehung in Forschung und Praxis", das in der Sächsischen Landesmedienanstalt (SLM) stattfand. Kati Struckmeyer vom JFF in München stellte dabei unter anderem aktuelle Forschungsergebnisse vor und betonte die Bedeutung einer kindgerechten Methodik in der praktischen Arbeit mit 3- bis 6-Jährigen. Neben den Kindern sind aber vor allem auch Eltern und Erzieher gefordert. Sie sind die entscheidenden Begleiter bei der Medienaneignung von Kindern und müssen wissen, welche Möglichkeiten es in welchen Altersgruppen gibt. In den sächsischen Lehrplänen ist die Medienerziehung bereits über alle Schularten, Klassenstufen und Unterrichtsfächer hinweg fest im Lehrplan verankert. Aber auch im sächsischen Bildungsplan, der den Rahmen für den vorschulischen Bereich vorgibt, sind Bildungsbereiche definiert, die sich mit praktischer Medienarbeit verbinden lassen.
Entwicklungspsychologische Voraussetzungen
Von Geburt an haben Babys Kontakt mit Medien – ein Bilderbuch, das vorgelesen wird, ein Lied aus dem Radio oder der im Hintergrund laufende Fernseher. Doch erst mit der Entwicklung der sozialen, kognitiven und emotionalen Fähigkeiten in den ersten Lebensjahren erlangen die Kinder Verständnis für Medien, deren Charakter und Inhalte. Erst dann kann von Medienrezeption im eigentlichen Sinne gesprochen werden. Wie Kinder Medieninhalte konsumieren, verstehen und interpretieren ist entwicklungsabhängig: Kinder im Kindergartenalter (3 bis 4 Jahre) entwickeln bereits deutliche Vorlieben für bestimmte Medieninhalte – also zum Beispiel für ein bestimmtes Buch, eine Lieblings-CD oder eine Figur aus dem Fernsehen – und beginnen zudem mit ihnen vertrauten Medien selbständig umzugehen. Mit der Entwicklung der sprachlichen Fähigkeiten fangen die Kinder in diesem Alter auch zunehmend an, selbst Geschichten zu erzählen.
Vorschulkinder im Alter von fünf bis sechs Jahren nutzen bereits einen großen Teil der verfügbaren Medien weitgehend selbständig oder mit Unterstützung Älterer. Die höhere Aufmerksamkeitsspanne und Abstraktionsfähigkeit (Fthenakis, Frühe Medienbildung Bildungsverlag EINS. S. 65) von Kindern in diesem Alter machen auch längere und komplexere Projekte realisierbar.
Praxisprojekt: "Ich höre was, was du nicht hörst"
Beispiele und Ideen für medienpädagogische Projekte in Kindergärten gibt es mittlerweile viele. Eine breite Auswahl ist zum Beispiel auf der Plattform Bibernetz zu finden, die sich an pädagogische Fachkräfte im frühkindlichen Bereich wendet. Aber auch in Sachsen hat sich einiges getan. So hat die Sächsische Landesmedienanstalt im Jahr 2010 Initiativen zur frühkindlichen Medienerziehung unterstützt. In diesem Rahmen hat W + M 2000 das überaus erfolgreiche Projekt „Ich höre was, was du nicht hörst“ durchgeführt . Über ein halbes Jahr haben sich Vorschüler aus Sachsen dabei intensiv mit Medien und dem Hörsinn beschäftigt. Sie sind auf Geräuschesafari gegangen, haben Musik gemacht und schließlich ihr eigenes Hörspiel produziert. Im Vogtland, im Erzgebirge, im Leipziger Land und in der Lausitz sind dabei ganz unterschiedliche Produkte entstanden: Von Tiergeschichten bis hin zu einer auditiven Reise in ein Ohr. Höhepunkte des medienpädagogischen Projektes waren unter anderem der Besuch eines Geräuschemachers und Exkursionen zum „echten“ Radio. Projektbegleitend fanden Medienelternabende sowie eine medienpädagogische Fortbildung für die ErzieherInnen der beteiligten Kitas statt.
Weitere Informationen und Linktipps zum Thema:
- Bibernetz: Plattform für pädagogische Fachkräfte im frühkindlichen Bereich
- KIM-Studie 2010: Mediennutzung von Kindern
- "Websites für Kinder": Datenbank von Schulen ans Netz
- Dieter Baacke Preis - Handbuch 4 "Kinder im Blick - Medienkompetenz statt Medienabstinenz
- Keine Bildung ohne Medien: Medienpädagogisches Manifest
Der Siegeszug der „Social Media“ hat die Kommunikation zwischen Kunden und Unternehmen grundlegend verändert. Markenartikler geben hohe Budgets aus, um zu analysieren, was in Blogs und Tweets über sie geschrieben wird. Ganze Werbekampagnen werden in soziale Netzwerke verlagert. Erste Unternehmen konzentrieren ihre komplette Online-Präsenz auf Facebook. An Social Media führt kein Weg mehr vorbei. Aber was bedeutet das für Medienunternehmen?
„Die Social Media haben einen Paradigmenwechsel in der Kommunikation eingeleitet“, sagt Reinhard Dreßler, Marketingexperte beim Bayerischen Rundfunk. „Unternehmen treten bewusst in einen Dialog mit eng definierten Kundenschichten statt wie bisher auf eine Art Monolog gegenüber der Masse zu setzen.“ Der 42-Jährige verantwortet als Marketingleiter von Bayern 3, BR-Online und on3 seit vielen Jahren die Markenführung, Werbeleitung und Agentursteuerung für drei zentrale Marken des Bayerischen Rundfunks und hat dabei das Social Web besonders im Blick. „Gerade für Medienmarken sind Plattformen wie Facebook hochinteressant. Allerdings reicht es nicht, nur ein allgemeines Profil des Senders als Repräsentanz einzurichten. Man muss sich gezielt Aktivierungsmöglichkeiten suchen, die dem Nutzer einen Mehrwert bieten und ihn persönlich ansprechen.“ Wie solche Aktivierungsmöglichkeiten aussehen können, zeigte Reinhard Dreßler Ende Januar in Leipzig. Im Auftrag des SAEK Professionell leitete er zwei Seminare, an denen zahlreiche Geschäftsführer und Marketingleiter der privaten sächsischen Fernsehsender sowie Medienstudenten und Volontäre teilnahmen.
Content, Themen und spannendes Entertainment sind eine Möglichkeit der Aktivierung im Social Web. Dabei sollten stets Menschen im Mittelpunkt stehen. "Bei Bayern 3 haben wir beispielsweise eine Facebook-Fanseite für die Morningshow „Frühaufdreher“ eingerichtet. Hier kommunizieren die Moderatoren auf Augenhöhe mit den Nutzern und geben auch viel Persönliches preis.“ Denn allein mit abstrakten Themen erreicht man die User im Social Web nicht. Es sind gerade die witzigen Anekdoten aus dem Studio, unkonventionelle Fotos oder spontane Diskussionen zu ausgefallenen Themen, die für Zulauf sorgen. „Die Frühaufdreher haben kürzlich die User bei Facebook gefragt, ob sie ihr Nutella-Brot mit oder ohne Butter essen. Da ging es richtig ab.“
Es muss aber nicht nur Entertainment sein. Auch Promotions, Gewinnspiele oder Coupon-Aktionen können in kürzester Zeit große Nutzergruppen mobilisieren. „Man muss für solche Aktionen allerdings auch die Risiken des Social Web kennen. Als die Bahn ihr „Chef-Ticket“ mit einer Coupon-Aktion bei Facebook promoten wollte, erlebte sie ein Fiasko, weil zahlreiche Nutzer den Account mit Beschwerden über Zugausfälle, schlechten Service und Stuttgart 21 überschwemmten.“ Die Kommunikation im Web 2.0 ist eben keine Einbahnstraße mehr. Auch ein cleverer Kundenservice kann gezielt Nutzer aktivieren. „Dafür finden sich gute Beispiele bei Twitter. Die Telekom hat dort bereits viele Follower für ihr Support-Angebot „Telekom hilft“, und mein Lieblingsbeispiel ist der „Crème-Brûlée-Man“ aus San Francisco. Der ist mit seinem Imbisswagen in der Stadt unterwegs und gibt per Twitter regelmäßig seinen Standort durch für die Kunden.“ Spannend ist auch der Ansatz, Nutzer an der Produktentwicklung teilhaben zu lassen, wie es beispielsweise Starbucks, Dell oder Beck’s erfolgreich tun. „Auch das schafft sofort Aktivierung.“
Für Medienunternehmen, die sich geschickt in den Social Media bewegen möchten, ist aus Sicht des Experten vor allem eines wichtig: Personalisierung. „Statt eines Corporate-Auftritts der Sendermarke sollten Sendungen und Moderatoren im Mittelpunkt der Profile stehen. Mit Interaktionsmöglichkeiten, Blicken hinter die Kulissen, privaten Fotos und Anekdoten, Vorankündigungen, Teaser-Videos oder exklusivem Content können die Sender ihre Reichweiten erhöhen und ihr Publikum binden. Gegenüber Werbekunden können Plattformen wie Facebook als wertvoller Zusatzkanäle vermarktet werden, die ganz neue Formen von Sponsoring oder Gewinnspielen ermöglichen. „Social Media ist vorrangig kein Verkaufskanal, kann aber helfen, Erlösquellen auszubauen oder neue zu erschließen”.