Senioren ans Netz – via Tablet und Co.

BASE Tabs fuer Senioren

Bild: E-Plus Gruppe Fotostream, BASE Tabs für Senioren - www.flickr.com

Die Titel klingen oftmals ähnlich: „Android für Smartphones & Tablets - Leichter Einstieg für Senioren - die verständliche Anleitung“ oder „Android Tablets & Smartphones. Der Ratgeber für Senioren“. Abgerundet wird das Sammelsurium an Praxisbüchern von unzähligen Onlineratgebern, kompletten Internetseiten und gar eines speziell für die ältere Generation entwickelten Tablets. Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr? Von wegen! „1,6 Millionen Senioren nutzen Tablet-Computer.“ So lautete die Quintessenz einer Pressemitteilung von bitkom bereits im Jahr 2015. Bei 17 Millionen Männern und Frauen in Deutschland ab 65 Jahren sind das ganze 9,4 Prozent. Klingt nicht viel, die ARD/ZDF-Onlinestudie 2016 setzt aber noch eins drauf: Nur ein Jahr später nutzen bereits 13 Prozent der Senioren über 70 Jahre ein Tablet. In der Altersgruppe von 50 bis 69 Jahren surfen sogar 31 Prozent der Befragten mit derart mobilen Geräten im Internet. Tendenz steigend. Im Vergleich: Die Hälfte der 50 bis 69-Jährigen gehen bereits via Smartphone ins World Wide Web, fast ein Viertel der Probanden ab 70 Jahren tut es ihnen gleich. Sätze wie „Dafür bin ich zu alt.“? Fehlanzeige!

Dennoch gibt es Unterschiede im Nutzungsverhalten. Nicht unbedingt bei den Haupttätigkeiten, denn diese unterscheiden sich nicht groß voneinander: Den Senioren sind die Kommunikation, die Information und die Mediennutzung genauso wichtig, wie der jüngeren Bevölkerung – nur bedienen sie sich dabei weniger der Onlinecommunitys oder Instant Messaging-Diensten. Es ist eher die Art und Weise, wie sie sich mit Tablets & Co auseinandersetzen, sagen die Probanden einer Studie der E-Plus-Gruppe in Kooperation mit der Stiftung Digitale Chancen. Sie brauchen dabei Unterstützung, Motivation und Hilfe – sei es auch nur beim Einrichten eines Benutzerkontos. Diese gibt es nun auch seitens des SAEK Chemnitz. „Tabletnutzung für Senioren“ heißt die Kursreihe, die neben der grundlegenden Bedienung der Geräte ebenso die Sicherheit, den Datenschutz aber auch die Mediennutzung und Kommunikation beinhaltet.

„Klar habe ich mir die passenden Bücher dazu gekauft und mir darin auch schon einiges angelesen. Trotzdem bin ich vorsichtig, was die Bedienung angeht“, erzählt ein Teilnehmer. Er ist 62 Jahre alt, interessiert sich für Computer und probiert gern herum. Deswegen besitze er Computer, Laptop, Smartphone und ein Tablet. Deswegen habe er sich auch mit Hilfe von Praxisbüchern je in die Thematik eingearbeitet. Deswegen war er im SAEK Chemnitz: Zu präsent sei die Angst, doch etwas zu verstellen und es dann nicht wieder rückgängig zu bekommen. Learning by Doing sei eben viel ansprechender, als sich alles selbst erarbeiten zu müssen, sagt seine Frau. „Wenn etwas nicht geht, kann ich direkt nachfragen.“ Denn eigentlich habe sie keine Ahnung von Tablets, hat alles ihr Mann eingerichtet. Sie sitze aber in diesem Kurs, weil sie in der Beschreibung viele Parallelen zur Handynutzung entdeckt habe. Zumal die Benutzerhandbücher sehr umfangreich und vor allem nicht immer in gedruckter Version den Geräten beiliegen, konstatiert eine weitere Kursteilnehmerin.

Warum der ganze Aufwand? Es hat auch etwas mit Komfort zu tun. Der Rechner ist gerade heruntergefahren worden und da fällt einem doch noch etwas ein. „Ein Tablet ist da einfach schneller an“, nennt eine Kursteilnehmerin die Vorteile mobiler Geräte. Ein weiterer Pluspunkt ist, dass man sie überall mit hinnehmen kann und sie weniger Platz wegnehmen. „Man kann die Tablets wie ein Buch ins Regal stellen. Irgendwann möchte ich gern alles damit machen können“, sagt der 62jährige Computerinteressierte. Dafür habe er sich extra eine Funkmaus und eine Bluetooth-Tastatur gekauft. Der Kurs im SAEK Chemnitz bringe ihn diesem Traum ein bisschen näher: Er kenne nun weitere Funktionen, von denen er vorher nichts wusste. „Ich hatte mir zum Beispiel überlegt, wie ich mein Tablet mit einem Scanner verbinden kann. Durch die Foto- und Screenshots-Möglichkeiten ist das ja gar nicht mehr nötig.“ Generell könne man so viel machen. Ein Kollege überwache damit zum Beispiel sein Haus – wenn es durch jemand Fremdes betreten werde, könne er sogar den Einbrecher sehen.

Zwei Wochen hat der Einführungs- und Aufbaukurs im SAEK Chemnitz gedauert. Zehn Tage, in denen die Teilnehmer gelernt haben, was es mit einem Google-Konto auf sich hat, welche Einstellungen bezüglich der Datennutzung, Manager sowie Anwendungen möglich sind, mit welcher App Bilder ganz einfach bearbeitet werden können und wie die Gerätesicherheit erhöht werden kann. Zehn Tage, die die Senioren ein Stück weit unabhängiger gemacht haben. Zehn Tage, in denen sich die Männer und Frauen zunehmend für Apps begeistern konnten. „Ich wünsche mir nun zu Weihnachten einen Gutschein für den PlayStore“, freut sich der 62-Jährige auf die besinnliche Zeit.

Weiterführende Links:

ARD/ZDF Onlinestudie

Bitkom Studie

Tablet PCs für Seniorinnen und Senioren. Untersuchungs- und Erfahrungsbericht

 
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